
Als ich vor vier Jahren als frischgebackener Intendant in Mayen ankam war ich über eine entscheidende Tatsache besonders erfreut, das Theater hat
Freunde! Es ist ein gutes Gefühl Menschen hinter sich zu wissen, die einen motivieren, anfeuern und ermutigen, die unterstützend eingreifen, wenn
man in Not ist, die aber auch, wenn es gefragt ist, konstruktive Kritik unter Freunden anbringen, und die so einen wesentlichen Anteil am Motor des
Theaters haben.
In vielen Theaterpublikationen landauf landab liest man immer wieder den Satz: „Theater muss sein!“ Muss es das wirklich? Nein, muss es nicht! Wie
täglich bewiesen wird, kann man sehr gut auskommen ohne die Schönheit und Kraft der Sprache und ohne die sinnliche Gewalt der Bilder. Es lässt
sich auch gut leben ohne die Poesie des Augenblicks oder die Tiefe eines Gefühls. Man kann sein ohne den Charme einer Sinfonie und ohne die Kraft
alter Weisheiten. Man kann ohne das Theater leben, aber man würde etwas Entscheidendes im Leben vermissen: Das Theater! So ist es auch mit den
Freunden, man könnte ohne sie leben, aber hat man keine Freunde, ist es höchste Zeit, über sich selber nachzudenken oder besser: Wer wirkliche
Freunde hat, hat diese auch verdient.
In diesem Sinne freue ich mich über jeden, den wir uns verdient haben, und der uns die Chance gibt, ihn zu
unserem Freund zu machen.