Aktuelles Programm 2010:
Jedermann


Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes
von Hugo von Hofmannsthal

Der „Jedermann“ gilt als Festspielklassiker schlechthin. Nicht umsonst ist er seit 1920 fester Bestandteil der Salzburger Festspiele. Unzählige Schauspielgrößen brillierten in dem weltberühmten Legendenspiel von menschlicher Unzulänglichkeit und christlicher Gerechtigkeit.

Jedermann, ein vom Wohlstand verwöhnter und verblendeter Kaufmann, überlegt für seine Geliebte, die Buhlschaft, ein Schlösschen mit Lustgarten zu bauen, als sein früherer Nachbar ihn um Hilfe bittet. Jedermann, längst jeder Moral abtrünnig geworden, verjagt und verhöhnt den armen Mann, obwohl er derjenige war, der dessen Niedergang verschuldet hat. Jedermann, selbstgefällig, von sich und seinem Erfolg überzeugt, schlägt selbst die Ermahnungen seiner Mutter in den Wind, die ihn vor der Gerechtigkeit des Lebens zu warnen versucht.

Am Abend desselben Tages gibt Jedermann eines seiner berühmten und beliebten Gelage, als ihn ein unheilvolles Gefühl beschleicht und er bedrohliche Stimmen und Glockengeläut hört, das außer ihm niemand wahrzunehmen scheint. Schließlich steht der Tod vor ihm, um ihn zu holen. Jedermann fleht um Aufschub, denn er hofft, dass ihn jemand auf seiner letzten Reise begleiten möchte. Aber keiner findet sich: nicht seine Diener, nicht seine Vettern. Auch seine Buhlschaft möchte ihn nicht begleiten. Zuletzt bittet er seinen Reichtum ihn zu begleiten, doch der Mammon macht Jedermann deutlich, dass er nicht Herr, sondern Knecht seines Geldes gewesen ist und auch sein Gold ihn nicht begleiten wird. Nun bleiben nur noch seine guten Werke, die fast zu schwach sind, ihn zu begleiten…

In der heutigen Zeit, wo ein Verfall der gesellschaftlichen und sozialen Werte Überhand nimmt, ist die brisante Aktualität des „Jedermann“ nicht zu übersehen.